Savvy-Dog
Silke Benz Hundetraining
Wissenswertes
Begegnungen mit fremden
Hund/Mensch-Teams
Es gibt immer mehr Hunde auf immer weniger Raum, nicht alle Hunde kommen mit dieser „Hundedichte“ gut zurecht.
Besonders in Ballungszentren kommt es daher regelmäßig zu bitterbösen Auseinandersetzungen zwischen Hunden und auch deren Besitzern. Je weniger Platz umso mehr Stress bei Hund und Mensch, das ist wohl allen klar, und gerade da mangelt es meist an Rücksicht, Verständnis und Freundlichkeit!
Ich möchte mit diesem Bericht zum Nachdenken anregen und ein paar Empfehlungen/Trainingsansätze geben und auch mit alten Gerüchten „der will nur spielen“ brechen. Ich hoffe, Sie sind nach dem Lesen erleichtert und guten Mutes, denn Sie sind nicht alleine!
Welche Hund/Mensch-Typen begegnen einem denn immer wieder?
- „Die klären das alles unter sich“ – sagte der Doggenbesitzer zum Dackelbesitzer! Merkwürdig auf der einen Seite wollen genau diese Menschen immer „Alpha“ sein, aber in brenzligen Situationen lassen sie ihre „Untergebenen“allein!
- „Ich leine nie an, denn dann werden sie erst recht aggressiv“ – dann hat der Hund wohl meist schon ein vom Mensch gemachtes Leinenproblem!
- „Meiner will nur spielen“ – sagen meist Halter von ganz bestimmten Hunderassen, die meist wirklich sehr spielwütig sind. Es wird dabei vergessen, dass nicht alle Hunde immer spielen wollen, je nach Rasse, Alter, Gesundheit, Erfahrungen gibt es da große Unterschiede. Haben Sie immer Lust auf Party?
- Panik vor allen anderen Hunden – besonders Besitzern von kleinen Hunden heben ihre Hunde sofort ängstlich beim Anblick eines fremden Hundes hoch. Schlechte Erfahrungen und Unwissenheit über Hundeverhalten sind da oft der Grund.
- Völlig ahnungslose Hundehalter – die trotz deutlichen Abmühens oder Bittens des Gegenübers auf Abstand ihre Hunde nicht zurückholen, sondern ihn immer weiter auf den fremden Hund zulaufen lassen (meist noch an der Flexileine). Leider begegnen mir immer mehr dieser Menschen! Wollen sie nicht, verstehen sie nicht oder ist es wirklich so schwer etwas Rücksicht zu nehmen?
- Machtbesessene – Hundehalter, die beim Anblick eines fremden Hundes sofort ihren Hund anherrschen „lass es“ oder vorsorglich mit Leinenruck am Halsband, Halti etc. arbeiten. Mir tut dann immer das Herz weh, aber entweder wollen oder können sie nicht anders, denn wo die Intelligenz endet fängt die Gewalt an!
- Vernünftige, freundliche und rücksichtsvolle Hundebesitzer – die je nach Situation vernünftig reagieren.
Wie soll man sich denn nun verhalten?
Natürlich gibt es keine Pauschalregeln, die für alle immer und überall gelten. Trotzdem habe ich Ihnen ein paar Verhaltensregeln zusammengestellt, die sicher die ein oder andere Situation entschärfen würden.
Es ist immer gut, als Mensch eine Vorstellung von dem zu haben, was man von seinem Hund verlangt, und nicht mehr zu verlangen als man selbst bewältigen kann. Das bedeutet natürlich auch sich selbst richtig einzuschätzen, denn der Hund ist oft ein Spiegelbild von uns (ist der Mensch aufgeregt und nervös, ist es mit Sicherheit auch der Hund)!
- Jeder Hund sollte stressfrei lernen, auch mal an anderen Hunden in einem anständigen Abstand vorbei zu laufen. Dies erhöht die Frustrationsgrenze und kann als nette Übung gesehen werden. Bei mir heißt es “den kennen wir nicht“ und dann geht es weiter - natürlich mit Lob für freundliches Benehmen und vielen Leckerlis. Fremde Hunde sollen schließlich was Tolles bleiben, auch wenn man nicht hinflitzen darf. Gemeinsames Üben unter Gleichgesinnten macht natürlich noch mehr Spaß, der Besuch einer guten Hundeschule (z.B. ibh-Hundeschulen) kann Ihnen bei Unsicherheit viel helfen.
- Wenn möglich laufen Sie mit Ihrem Hund einen kleinen Bogen um den fremden Hund, dies ist für Hunde viel freundlicher als das frontale Aufeinanderzulaufen, das würden Hunde unangeleint kaum machen.
- Sie sind immer splittend zwischen Ihrem und dem fremden Hund.
- An Weg-Gabelungen, unübersichtlichen Stellen, engen Gassen, Hügeln und Ecken ist Ihr Hund neben Ihnen und nicht 10 Meter vor Ihnen. So kommt es nie zu unliebsamen Begegnungen „ups den habe ich nicht gesehen“!
- Wenn ein anderer Hundebesitzer keinen Kontakt wünscht und dies deutlich zeigt, sollte man auch so höflich sein, dies zu respektieren und seinen Hund zurücknehmen und anleinen. Sehen Sie dies einfach als nette Übung an, und der andere Besitzer wird Ihnen sehr dankbar sein!
- Denken Sie immer an die Stimmungsübertragung von Ihnen zu Ihrem Hund!
- Nicht alle wollen spielen, und das ist völlig normal!
- Es ist normal, dass junge, unerfahrene Hunde sich aufregen, bellen, in die Leine hopsen, wenn sie einen anderen Hund erblicken, dafür müssen Sie sich nicht schämen, denn „es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“. Also nehmen Sie die Chance wahr, und üben Sie freundlich mit Ihrem Hund, was Sie von Ihm erwarten. Dies kann ganz unterschiedlich je nach Hund und Umfeld sein. Generell gilt bei mir aber immer: freundliches Verhalten vom Hund wird sofort bestätigt (Stimme, Streicheln, Leckerli und/oder Einsatz von Marker-Signalen).
- Lassen Sie Ihren Hund einen fremden Hund nicht permanent anstarren, dies kann den fremden Hund ziemlich aufregen, und umgekehrt ebenso!
Ich gebe zu, das liest sich alles erstmal recht kompliziert, aber ich versichere Ihnen, das ist es nicht! Es lohnt sich diese Situationen in Ruhe zu üben. Egal ob Sie nun einen jungen, freundlichen Hund (denn dieser sollte ja auch freundlich bleiben) oder einen schwierigeren Hund haben, der so seine Probleme mit Artgenossen hat, tut gerade diesen Hunden und ihren Menschen ein professionelles, ruhiges Training sehr gut!
Wir alle kommen um dieses Thema nicht herum, denn es wird immer mehr Hunde geben, die oft auf engen Raum miteinander auskommen müssen!
Falls Ihnen dieser Text gefallen hat oder er Sie zum Nachdenken angeregt hat, würde ich mich über Weitergabe und Weiterempfehlung sehr freuen!
Herzlichst
Silke Benz